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Vom Nachtjäger zum Naturschützer...

       

 

 

 


 

 Abb. 1: Zeitungsausschnitt "Rheiniche Post"


Anläßlich der Einweihung des Gedenksteins verfasste Herbert Hubatsch diese Rede:

 

"Als einer der wohl letzten Lebenden, die einst hier als Flugzeugführer eingesetzt waren, bin ich gebeten worden, einiges zu berichten,wie es einst hier vor 60 Jahren war. Sie wollen mit dieser Gedenktafel all der Toten gedenken, die hier im Kriege ihr Leben ließen. Für diesen Gedanken bin ich sehr dankbar, denn zu den Gefallenen gehören auch 3 meiner engsten Kameraden, 2 meiner Bordfunker und 1 Bordwart. Sie wurden hinter mir in der Maschine im Luftkampf erschossen. Ich konnte mich einmal schwerverwundet mit dem Fallschirm retten, nach 8 monatigem Lazarettaufenthalt kam ich wieder zum Einsatz und wurde wieder abgeschossen und konnte durch eine Bauchlandung mit brennender Maschine noch davonkommen. Meine damalige Begeisterung, Flieger zu werden, habe ich teuer bezahlt. Als ich hier nach Venlo kam, war ich 20 Jahre alt und wenn ich jetzt kurz berichte wie es damals war, mag es unsern pazifistisch gesinnten Gemütern grausam erscheinen, aber Kriege kennen kein Erbarmen.   


                        

 Abb. 2: Flugbuch des Piloten...

 

 
Wir stehen hier in einem Hangar, der die Me 110 aufnahm. Meine Maschine stand an der Rollbahn zum Birkenhof. Die Me 110 war ein Flugzeug mit Doppelleiwerk und 2 Motoren zu je 1250 PS, die 500-600 km/h schnell war. Sie war blindflugtauglich und für die Nachtjagd geeignet. lm Bug steckten 2x 2cm Kanonen und 4x Maschinengewehre, gut munitioniert mit Kern- Spreng-und Brandgeschossen,- eine starke Feuerkraft. Hier lagen 3 Staffeln mit je 9 Maschinen, jede Staffel hatte ca. 120 Menschen als Bedienungspersonal. Die Nachteinflüge der Engländer ins Ruhrgebiet erfolgten schon Ende 1940, sodass neben der Flak die Nachtjagd ausgebaut wurde, dieser Fliegerhort wurde am 18.3.41 bezogen. Unsern Einsatz will ich an einem meiner Luftkämpfe erläutern:  Sobald die Freigabegeräte an der Küste die startenden Bomber erfasste, rollten unsere Flugzeuge in die Nähe des noch heute stehenden Gefechtsstands, wir warteten in Baracken auf den Einsatzbefehl, kamen die Bomber näher, machten wir in den Masken Sitzbereitschaft. Nach dem Einsatzbefehl starteten wir in die Bereitschaftsräume, um die Bomber zu erwarten. Oft mussten wir bei Wolkenuntergrenzen von weniger als 300 m hoch und sahen erst bei 3- 5000 Meter die Sterne. Mit Radar wurden wir nun an die Bomber herangeführt, im Kopfhörer: "Kurs 270, höher, höher, jetzt in der Nähe". Das Auge suchte, ob irgendein Stern verdeckt wurde. Dann die Silhouette einer Vickers Wellington. Von unten näher heran, das Reflexvisier matt eingestellt, durchgeladen und saß der Bomber im Außenring des Visiers schoss ich. Meist brannte ein Flügel in dem die Treibstofftanks saßen. 


          

  
       

         

  

Abb. 3- 7:  Bilder des Piloten, Plakat "Kriegsweihnacht 1943"


Der Heckschütze schoss zurück, aber beim 2. Angriff flogen die Flügel weg und der Bomber stürzte in die Wolkenabgünde. Dannschlug sie auf und es sah aus als ob man einen Eimer  brennenden Oels ausschüttete. 1941 bis Mitte 42 konnten von Venlo aus schon über 100 Abschüsse gemeldet werden. Ab 1943 hingen wir dann oft über dem brennenden Köln, Frankfurt, Hannover oder Düsseldorf und spürten, dass unseren Kampf doch nicht der endgültige Erfolg vergönnt war. Bis Mitte 43 war es auf dem Venloer Flugplatz verhältnismäßig ruhig, wir erlebten mehrere Angriffe, eine Luftmine nahe dem Gefechtsturm forderte einige Dutzend Tote. Es gab aber auch das übliche Soldatenleben. Wenn qbi war, dh. dicker Nebel ohne Startmöglichkeit dann verlegten wir unsere Jagd durch Tor 9 mittels Fahrrad zu Dammer nach Lobberich in die Rote Mühle nach Kaldenkirchen oder den Leuther Berg hinunter zu Swantje am Hafen. Das war eben das Extreme: Die Kämpfe auf Leben und Tod und nach der Landung im verhältnismäßigem Frieden zu sein. 


                              

 Abb. 8: Ein Flugbuch des ehemaligen Piloten...

 

Alles, was damals war, haben wir Deutschen ja verdrängt. Umso mehr freue ich mich, dass die Venloer, Herr Hogenhuis und andere das Geschehen auf dem Fliegerhorst Venlo als echte Geschichtsdokumentation aufgearbeitet haben, ein Zeichen menschlicher Verbundenheit über die Grenzen hinweg. Ich habe keinen Steuerknüppel mehr angerührt, habe mich ganz der Natur und ihrem Schutz zugewandt und dabei viele Freunde in Venlo und den Niederlanden gefunden. 


 

 Abb. 9- 11: Verleihungsurkunden

 

 

 

 

 

 Ich fahre gerne über meinen alten Fliegerhorst, freue mich über die blühenden Heideflächen, die aufsteigenden Segelflugzeuge, ein friedliches Bild, das immer so bleiben möge."  

 

(Herbert Hubatsch)

"Als einer der wohl letzten Lebenden, die einst hier als Flugzeugführer eingesetzt waren, bin ich gebeten worden, einiges zu berichten,wie es einst hier vor 60 Jahren war. Sie wollen mit dieser Gedenktafel all der Toten gedenken, die hier im Kriege ihr Leben ließen. Für diesen Gedanken bin ich sehr dankbar, denn zu den Gefallenen gehören auch 3 meiner engsten Kameraden, 2 meiner Bordfunker und 1 Bordwart. Sie wurden hinter mir in der Maschine im Luftkampf erschossen. Ich konnte mich einmal schwerverwundet mit dem Fallschirm retten, nach 8 monatigem Lazarettaufenthalt kam ich wieder zum Einsatz und wurde wieder abgeschossen und konnte durch eine Bauchlandung mit brennender Maschine noch davonkommen. Meine damalige Begeisterung, Flieger zu werden, habe ich teuer bezahlt. Als ich hier nach Venlo kam, war ich 20 Jahre alt und wenn ich jetzt kurz berichte wie es damals war, mag es unsern pazifistisch gesinnten Gemütern grausam erscheinen, aber Kriege kennen kein Erbarmen.